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Dialog Wirtschaft-Schule beim Schulfest

Dialog Wirtschaft-Schule beim Schulfest

Aufbruchsstimmung und viele Ideen für Kooperationen

Großes Interesse hat die regionale Wirtschaft an einer Kooperation mit dem staatlichen Gymnasium Holzkirchen sowie der Fachoberschule Holzkirchen – das wurde in einer eindrucksvollen Podiumsdiskussion deutlich, die der Förderverein des staatlichen Gymnasium Holzkirchen gemeinsam mit dessen Direktor Axel Kisters organisierte. Dieter Ziebold, Personalvorstand der Hexal AG sowie Gerald Puchbauer, Geschäftsführer der BONN Elektronik  GmbH und Rudolf Pauls, kaufmännischer Leiter der Transtechnik GmbH als Vertreter der Holzkirchner Wirtschaft diskutierten mit Dr. Jutta Möhringer von der TU München, dem Unternehmensberater Professor Werner Seidenschwarz sowie Jens Baumgärtel, stellvertretender Direktor der benachbarten Fachoberschule, der Schülervertreterin des Gymnasiums Noura Amin und Direktor Axel Kisters.  Deutlich wurde vor allem die große Offenheit der Unternehmensvertreter gegenüber Ideen wie Besuche von Schülern in ihren Unternehmen, Schülerpraktika, Ferienjobbörse oder Unterstützung von Schülerprojekten durch eigene Mitarbeiter.

„Die SMV wird den neuen Pausenhof mitgestalten und da wäre eine Unterstützung durch Unternehmen sehr schön“, war ein Wunsch von Noura Amin auf die Frage von Moderatorin Nele Haasen, 2. Vorstand des Fördervereins, was Unternehmen denn für die Schüler tun könnten. Noura ist Sprecherin der SMV und als 7.Klässlerin eine der Ältesten des im Schuljahr 2014/23014 neu eröffneten und von Klasse 5-7 laufenden Gymnasiums. Auch dessen Direktor Axel Kisters kann sich langfristig vorstellen, dass sowohl Schüler/innen des mathematischen als auch Schüler/innen des ab 2015/2016 neu zu bildenden wirtschaftswissenschaftlichen Zweiges von den Kontakten zu regionalen Unternehmen profitieren können: „Schüler könnten von Lehrlingen durch ein Unternehmen geführt werden. Damit könnten die Schüler ein Unternehmen von innen kennenlernen, die Lehrlinge würden üben, ihr Unternehmen zu präsentieren. Vorstellbar wäre auch, dass Schüler kurze Arbeiten schreiben über Wirtschaftsthemen und dabei von Berufstätigen aus den entsprechenden Abteilungen unterstützt werden. So würden die Schüler Arbeitsabläufe in Unternehmen besser kennenlernen.“

Axel Kisters weiß, wovon er spricht. Denn in seiner früheren Tätigkeit am Gymnasium Gauting hat er die Kooperation zwischen Gymnasium, Unternehmen und auch der Technischen Universität München bereits sehr erfolgreich betrieben. Dr. Jutta Möhringer begleitete als Bildungsforscherin an der TU München ein Projekt, an dem jährlich etwa 15 Schüler/innen der 11. Jahrgangsstufe jeweils einen Tag an der TU verbrachten, sämtliche Fakultäten kennenlernten und ihre Seminararbeiten an einem der Lehrstühle schrieben: „Kriterium für das Mitmachen der Schüler war keine Hochbegabung, sondern ihre Leidenschaft für ein Thema, das sie dann mit Unterstützung der TU intensiv bearbeiten konnten. Es war faszinierend zu sehen, wie leidenschaftlich sich die Schüler in Themen reingehängt haben“, schilderte Jutta Möhringer als Gast der  Podiumsdiskussion. Auch Professor Werner Seidenschwarz, Unternehmensberater aus Starnberg, dessen Tochter das Gymnasium Gauting besuchte, war intensiv engagiert für die Kooperation zwischen Uni, Wirtschaft und Schule: „Ausgewählte Schüler konnten ein dreiwöchiges Praktikum in Ausland bei einem Unternehmen absolvieren. Das war eine immense Erfahrung für ihren Blick über den Tellerrand hinein in ein anderes Land und in ein globales Unternehmen. Und eine große Herausforderung für ihre Selbständigkeit, die kamen definitiv verändert zurück.“ Und mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: „Übrigens auch für die Eltern, die Kinder alleine nach Shanghai oder New York reisen zu lassen. Das fällt einem nicht leicht!“

Ähnliche Projekte möchte Axel Kisters mittelfristig auch für das staatliche Gymnasium Holzkirchen angehen. Es besteht jetzt schon eine Partnerschaft mit der TU München. Voraussetzung für solche Projekte ist aber, dass Eltern, von denen ja viele in Unternehmen arbeiten als auch Unternehmensvertreter sich engagieren, Kontakte herstellen, mitarbeiten. Und natürlich, dass die Geschäftsleitungen der Unternehmen eine solche Zusammenarbeit sinnvoll finden. Unmittelbar leistet ein Unternehmen bei einem Schülerpraktikum oder bei der Unterstützung von Schulprojekten erst einmal Aufbauarbeit. In Zeiten mangelnder Fach- und Führungskräfte kann es allerdings durchaus sein, dass das Engagement sich langfristig auszahlt „Wenn jemand aus Holzkirchen kommt und schon mal als Schüler bei Hexal, Bonn Elektronik oder Transtechnik gearbeitet hat, dann kann es durchaus sein, dass der oder die den Kontakt auch während des Studiums hält und sich später einmal für einen Job bei uns entscheidet“, fasste Dieter Ziebold die Meinung der Geschäftsführer zusammen.

Die Zusammenarbeit kann auch schulübergreifend sinnvoll sein. Jens Baumgärtel, stellvertretender Schulleiter der benachbarten FOS, diskutierte ebenfalls mit auf dem Podium. Die FOS arbeitet „systemgemäß“ durch die mehrwöchigen Praktika der Schüler/innen enger mit der regionalen Wirtschaft zusammen. Zusätzlich, so Baumgärtel, haben die Lehrer der FOS sich in einer Teamklausur gemeinsam als Ziel eine enge Kooperation mit der Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben und setzen weit mehr um als vom Lehrplan vorgesehen. Etwa Planspiele, bei denen Schüler gemeinsam mit Unternehmensvertretern Unternehmens-Situationen simulieren und so Einblick in den „Businessalltag“ gewinnen können. So etwas ist, sobald die Schüler/innen des Gymnasiums altersmäßig noch etwas aufgeholt haben, auch in gemeinsamer Regie FOS und Gymnasium denkbar.

Es seien aber nicht nur Praktika, Projekte oder größere Aktionen sinnvoll, regte Professor Seidenschwarz an: „Wenn Leute aus Unternehmen zu den Schülern kommen und einfach ihre Geschichte erzählen –  wer sie sind, was sie in der Firma machen, wie sie dahin gekommen sind, was im Alltag alles so passiert – das ist für die Schüler sehr interessant und lebendig und relativ einfach zu organisieren.“ Auch Unternehmensvertreter, die den Schülern erzählen, was man in den Unternehmensbereichen etwa im Marketing oder Controlling eigentlich macht, könne die Schulwelt mit der Unternehmenswelt sinnvoll verbinden, so Axel Kisters.

An Ideen mangelt es jedenfalls nicht, das war nach einer knappen Stunde Diskussion klar. Und am Engagement und dem Willen, dass Unternehmensvertreter mit Schüler/innen, Lehrern und Eltern dabei in Kontakt treten auch nicht. Deshalb freut sich der Förderverein über alle Eltern und/oder Unternehmensvertreter, die Lust und Zeit haben, gemeinsam diese Ideen voranzutreiben. Und gemeinsam eine in den nächsten Jahren eine Schule mitgestalten, deren Schüler sowohl Gedichte analysieren und mehrere Sprachen sprechen können als auch wissen, dass Wirtschaft weit mehr ist als die Kneipe um die Ecke.

Nele Haasen und Thomas Jakob, Vorstände im Förderverein des staatlichen Gymnasium Holzkirchen